"Umschau und neue Nachrichten" In : Zentralblatt für Bibliothekswesen Jg. 26 1909 S. 182-83

"Die österreichischen Klosterbibliotheken. In den Mitteilungen des österreichischen Vereins für Bibliothekswesen handelt A. Hübl über das Ergehen der österreichischen Klosterbibliotheken von 1848-1908 (s. u. S. 186*), d.h. während der Regierungszeit Kaiser Franz Joseph II., zu dessen Jubiläum der Artikel ein Beitrag sein soll. Nach einer allgemeinen Einleitung werden die Bestandszahlen der beiden Jahresgrenzen, die wichtigeren Erwerbungen, die Geschicke der neunundzwanzig wichtigsten Klosterbiblitoheken angegeben. Die Angaben beruhen auf den Mitteilungen einer grossen Anzahl österreichischer Stiftsbibliothekare, sind aber von dem Verfasser im Interesse der Einheitlichkeit redigiert, zumeist also wohl mehr oder weniger stark gekürzt worden. - Das Wachstum der einzelnen Bibliotheken, wenn es auch naturgemäss mit dem der grossen öffentlichen Bibliotheken nicht Schritt halten konnte, ist während der letzten Jahrzehnte doch sehr stark gewesen. Innerhalb der Berichtsperiode hat es vielfach 30-40% betragen und in einzelnen Fällen weit mehr: Herzogenburg hat seine Bibliothek verdoppelt, Muri-Gries verdreifacht, Reun vervierfacht. Die Bücherei des Benediktinerklosters Emaus in Prag wuchs von 1880 bis 1900 aus unbedeutenden Anfängen auf 41000 Bände. Vielfach wurden die Räume zu eng, es musste an Zimmern zu Hilfe genommen werden, was in der Nähe der Bibliotheken lag. Einen Neubau führte Stift Tepl auf. Auch in der Katalogisierung sind grosse Fortschritte zu verzeichnen. Verschiedene Stifte, wie Admont, Göttweig, Zwettl, Kremsmünster, Tepl, liessen ihre Bibliothekare in Wien theoretisch und praktisch für den Dienst an der Bibliothek ausbilden. Auch die BEnutzung, besonders der alten Schätze, ist für die Aussenwelt erleichtert worden, soweit statutarische Bestimmungen das zulassen. Diese Schätze sind sehr beträchtlich: in den österreichischen Stiftsbibliotheken befinden sich rd 2 1/2 Millonen Druckschriften, rd 25 000 Inkunabeln, rd 25 000 Handschriften. Handschriftenkataloge veröffentlichten: St. Florian (1871), Reun (1875), Kremsmünster (1877), Melk (1889), die Zisterzienserstifte (1891) und Schotten (1899). Verzeichnisse der Inkunabeln gaben heraus: Melk (1899-1902), Vorau (1901), Schotten (1904), Schlierbach (1907), Herzogenburg (1908). Infolge dieser Umstände 'mehrten sich die Besuche aus dem In- und Auslande und vergrösserte sich der Verkehr der österreichischen Klosterbibliotheken so sehr dass man von einer ziemlich ausgiebigen Benützung sprechen kann, die sich in zahlreichen Publikationen ausweist. Die Schätze der österreichischen Klosterbibliotheken liegen nicht mehr tot'."

* Hübl, Albert. Die österreichischen Klosterbibliotheken in den Jahren 1848-1908. Mitteilungen d. Oesterreich. Vereins f. Bibliothekswesen 12. 1908. S. 201-216

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