Zeibig, H.J. "Lobgedichte auf die heilige Jungfrau: Aus der Stiftsbibliothek zu Klosterneuburg" In: Serapeum Jg. 11, Heft 12 (1850) S. 189-190

"Bei der Gelegenheit einer Revision der Stiftsbibliothek zu Klosterneuburg fanden sich 2 eingeklebte Pergamentblätter vor, enthaltend 4 vollständige und 2 unvollständige altdeutsche Gedichte in den Schriftzügen des XIII. Jahrhunderts. Erstere lauten:

I. Vrowe tugentlicher sit
Swer dich mit disen worten bit
Den erhore. den gewer.
Cher diniv ogen her.
Sihe von dem gestirne
Erweltiv gotes dirne
Vber alle diedich loben
Erledege much ûz dem chloben.
Aller angest un all mûe
Entzunde mich daz ich erglûe
Von dines chindes minne
Vn immer also brinne.
II. Du bluênde gerte von iesse.
da von in der alten ê
der edel ysaias saget.
daz bistV cheiserlichiv maget.
So ist din sunt d reine blut
Der sich un dich so hat behut
Daz wandel un missetat
Aniv beiden niht enhat
du bist daz chunechlich ris
Da von sich in lilien wis
Der gotlich olum want
Noch bistu magt als er dich vant.
III. Aller magde ein wunne
Davides hohez chunne
des wisen Salomons chint
Lose frowe un enbint
Mich von aller hande not
Ich bin an der sele tot
Die chueke frowe von ir grabe
Nu ich mich verlazen habe
Ze dinen gantzen triwen
So weche mich zu den riwen
Daz ich vor mines todes tage
Miner sunden mich bechlage.
IV. Blume von d heide
Lose mich von leide
Von ungefugen sorgen
Hivt un alle morgen.
Laster schaden uppicheit
Daz wise magt allez fur
Du waere div beflozzen tur
Dadurch der werlde herre gie
Do er sich her en erde lie
Daz si sich niht ersparte
Noch - si nie verwarte.

Chorherr Dr. Zeibig in Klosterneuburg"

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