Wilhelm Wattenbach "Das Schriftwesen im Mittelalter" 4. Aufl. Leipzig: Hirzel 1896 S. 578-579.

Mancherlei Büchergeschenke enthält das merkwürdige Fragment eines Gabenbuches saec. XIII. aus dem Schottenkloster zu Wien.[1] Von ihren Landsleuten brachten David Beda's Commentar zu den Psalmen, Patricius textum evangelii, Maclan ein Plenar, Mailcolm die Visio Wettini; der Abt Malachias schenkte die Moralien und ein Buch über die Kunst zu predigen. Otto, Dechant zu Passau, gab einen Lectionar für die Brüderschaft, des Bischofs Gaukler ein deutsches Buch, der Caplan des Grafen von Plaien das deutsche Buch von Kaiser Karl's Heerfahrt gegen die Sarazenen, des Herzogs Leibarzt ein Buch über die Pest. Jutta, die Wittwe des Malers Marchward, schenkte colores multos. Später entartete das Kloster so dass es zum Sprüchwort wurde: man leut die perglockhen, wer sein weib verloren hab, der suchs zu den Schotten.[2] Sie wurden 1418 vertrieben und deutsche Mönche zogen ein.[3] Da begannen die Geschenke von neuem reichlich zuzuströmen, und viele Bücher waren wieder darunter.[4] Eine förmliche grosse Stiftung aber machte 1453 testamentarisch der Doctor Johannes Polzmacher, indem er dem Schottenkloster seinen ansehnlichen Bücherschatz vermachte.[5] Ausser vielen juristischen Werken finden sich in dem Verzeichniss auch einige Werke alter Dichter, darunter mehreres von Ovid. Man war liberaler geworden seit 1402, wo der Kanzler der Universität dem aus Italien berufenen Decretisten Johann von Venedig Ovids Metamorphosen weggenommen hatte.[6] Diese Bücher bildeten nun aber keine Klosterbibliothek nach alter Weise: sie waren ausdrücklich bestimmt zum Besten der juristischen Facultät, deren Mitgliedern sie gegen hinlängliches Pfand geliehen werden sollten. Weil sie aber durch Benutzung leiden würden, so sollten die Entleiher pro reformatione librorum aut librarie eorundem eine angemessene Summe zahlen, doch Unvermögenden dieselbe ganz oder theilweise erlassen werden. Zappert, der diese merkwürdigen Documente gefunden und herausgegeben hat, stellt S. 132 ff. noch einige Beispiele von Legaten und Geschenken zum Seelenheil zusammen; [7] merkwürdig ist die Stiftung eines Diurnals und Psalters in Augsburg 1313, welche im Ostchor angekettet werden sollten, damit arme Pilger ohne eigene Bücher hier ihre Horen beten könnten.


[1] Ed. Zappert, Sitzungsberichte der Wiener Akad. XIII, 172-183. [zurück]
[2] Lad. Suntheim's Donauthal, im Jahrbuch für Vaterl. Gesch. S. 293. [zurück]
[3] Wattenbach, Die Kongregation der Schottenklöster, Archäol. Zeitschrift von Otte und Quast I, 55. [zurück]
[4] Zappert I. c. p. 110-115. Darunter Summa Pysani rubricata, was vielleicht die alphabetische Anordnung bezeichnen mag. [zurück]
[5] Ib. S. 135-143. Darunter auch S. 139 der Occultus. Dem Kloster Sedletz hatte er auf ein Decret 80 ung. fl. geliehen, ut patet in cirographis hinc inde emantis; diese schenkte er der Peterskirche in Brünn, deren Probst er war. [zurück]
[6] Aschbach, Gesch. der Wiener Univ. S. 304 [zurück]
[7] Andere bei Rockinger II, 46-49, Czerny S. 43-45. [zurück]

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